DIE ARCHE

Suizidprävention und Hilfe in Lebenskrisen e.V.
Saarstraße 5 - 80797 München - Tel.: 089/33 40 41

 

Suizidalität und Krisen

Zum Verständnis von Krisen

Krisen gehören zum Leben und können jeden Menschen in jeder Lebensphase treffen. Eine psychische Krise ist keine Krankheit, sie kann aber lebensgefährlich werden, wenn sie mit Suizidgedanken einhergeht. Andererseits kann sie ein Anstoß sein, dem Leben eine neue Wendung zu geben. So kann sie eine positive Weiterentwicklung und Reifung bewirken.

Von Krisen sprechen wir, wenn eine Person mit einer Situation konfrontiert ist, die sie nicht mehr auf gewohnte Weise bewältigen kann. Bei den Betroffenen entsteht ein massives Gefühl von Überforderung. Dieses kann zu einer starken inneren Anspannung, zu Angst, Wut, Traurigkeit bis hin zu Verzweiflung und Lebensüberdruss führen.

Seelische und körperliche Kräfte werden von dem Problem gebunden, das die Krise ausgelöst hat. Dadurch können häufig die Anforderungen des Alltags nicht mehr bewältigt werden. Das Selbstwertgefühl kann massiv beeinträchtigt sein. Kann die Krise nicht aus eigener Kraft gemeistert werden und erfolgt keine rechtzeitige Unterstützung, können Selbsttötungsgedanken die Folge sein.

Längerfristig kann es zu psychosomatischen oder psychischen Störungen (z. B. Depressionen, Ängste, Suchtverhalten) kommen.

Die Auslöser einer Krise können ganz unterschiedlich sein:

Traumatische Krisen werden durch plötzlich auftretende Ereignisse, deren schmerzliche Natur allgemein anerkannt ist, ausgelöst: den Tod oder Verlust einer nahestehenden Person, den Ausbruch einer lebensbedrohlichen Erkrankung, den Verlust des Arbeitsplatzes oder durch andere Schicksalsschläge.

Traumata sind schwere psychische und/oder körperliche Verletzungen durch Gewalttaten, Unfälle oder Katastrophen, die Menschen unter normalen Umständen nicht erleben müssen. Sie können tiefgreifende Folgen haben, da sie die normale Anpassungsfähigkeit des Menschen überfordern. Seelische und körperliche Verletzungen, die absichtlich durch Andere, eventuell sogar durch Vertrauenspersonen, zugefügt werden, sind oft besonders schwer zu bewältigen.

Lebensveränderungskrisen werden durch Ereignisse des üblichen Lebensverlaufs, die zu veränderten Lebensumständen führen, ausgelöst. Dies können sein: Verlassen des Elternhauses, Umzug, Heirat, beruflicher Aufstieg, Auszug der Kinder, Berentung, Umzug ins Altenheim, etc. Der Anlass dieser Krise ist für die soziale Umwelt und häufig auch für den Betroffenen nur schwer nachzuvollziehen und zu akzeptieren. Der Betroffene kann von dieser - oft auch selbst gewollten und herbeigeführten - Veränderung, massiv überfordert sein.

 

Zum Verständnis von Suizidalität

In Krisen entwickeln manche Menschen Suizidgedanken. Die meisten Menschen haben irgendwann in ihrem Leben Selbsttötungsgedanken. Diese allein sind noch kein Ausdruck einer psychischen Erkrankung, sondern meist die verzweifelte Antwort auf belastende Lebensereignisse.

Selbsttötungsgedanken entstehen oft am Ende einer langen Kette von Belastungen, Enttäuschungen, Kränkungen, von Überforderungen und gescheiterten Lösungsversuchen. Hinter dem Gedanken sich selbst zu töten verbirgt sich oft der Wunsch nach einer radikalen Lösung, nach einer schnellen Befreiung von einer starken Belastung, nach Ruhe.
Der Gedanke, dass man sich selbst das Leben nehmen kann, stellt sich dann als Rettung in der Not dar. Das Denken an das eigene Tot-Sein kann als entlastend erlebt werden. In späteren Phasen können diese Gedanken immer drängender und kaum noch kontrollierbar werden, so dass sich die Suizidabsicht verfestigt und zur Planung und Durchführung einer Suizidhandlung führt. Auslöser für Suizidversuche sind dann oft kleine, von außen unspektakulär erscheinende Situationen, die aber beim Betroffenen wie der berühmte Tropfen wirken, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Menschen mit einer psychischen Erkrankung wie Depression, Sucht-erkrankung, Persönlichkeitsstörung oder psychotischer Erkrankung geraten leichter in Krisen, sind empfindlicher in Krisensituationen und haben somit ein erhöhtes Suizidrisiko.

Das Äußern von Suizidgedanken kann als Hilferuf verstanden werden. Darauf unvoreingenommen und offen einzugehen wirkt fast immer entlastend.

Wenn der suizidale Mensch Hilfe und Unterstützung erfährt, kann die Gefahr einer Selbsttötung oft abgewendet werden. Hilfe und Unter-stützung können dazu beitragen, dass Suizidalität eine vorübergehende Phase im Leben darstellt.